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  Rezension von Manfred Dahmer

Einstimmung in das Spiel auf der Qin:
Illustrierte Fingergriffe aus einem Qin-Handbuch des 15. Jahrhunderts

   

Dorothee Schaab-Hanke

 
   

Reihe Phönixfeder 2
OSTASIEN Verlag
Paperback (21,0 x 21,0 cm), v + 100 Seiten.
2009. € 19,80
ISBN-13: 978-3-940527-29-5 (9783940527295)
ISBN-10: 3-940527-29-7 (3940527297)

Vertrieb: CHINA Buchservice / Bestellen

 
   

Dies ist der erste Band von zunächst drei geplanten Bänden in der Reihe „Phönixfeder“, die sich alle – aus unterschiedlichen Aspekten – mit der Qin, einem der ältesten Saiteninstrumente Chinas, befassen werden. Der Band sei dabei in mehrfacher Hinsicht als „Einstimmung“ gedacht: Für den, der mit dem Instrument, seiner Musik und seiner Geschichte noch gar nicht vertraut ist, möge das Buch eine erste Begegnung mit der faszinierenden Welt dieses Instruments der chinesischen Literaten-Beamten des alten China ermöglichen. Und den, der bereits angefangen hat, das Spiel auf der Qin zu erlernen, mögen die Grifftechniken und die sie ergänzenden Bilder und Gedichte, wie sie in Qin-Handbüchern über viele Jahrhunderte hinweg von Qin-Meistern an ihre Schüler weitergegeben wurden, bei seinen Qin-Studien unterstützen.

Durch die zweisprachige Präsentation des Buches kann der Leser sowohl die Beschreibungen der Fingergriffe als auch die dazugehörigen Gedichte Wort für Wort nachvollziehen.

 
   

Inhalt:

Vorbemerkung

Einführung

    Qin-Handbücher und deren Überlieferung
    Zu den Inhalten einiger Qin-Handbücher
    Das Bildprogramm im Taigu yiyin und in anderen Handbüchern
    Qin-Spiel und Naturerleben
    Zu den im Taigu yiyin beschriebenen Grifftechniken
    Zu den im Taigu yiyin enthaltenen Gedichten

Illustrierte Fingergriffe aus dem Taigu yiyin: Die 33 Bildtafeln

    Grifftechniken der rechten Hand
    Grifftechniken der linken Hand

Anhang

    Erläuterungen zu den Fingergriffen und Gedichten
    Literaturnachweis
    Bildnachweis
    Index zu den Grifftechniken

 
   

 
   

Rezension von Manfred Dahmer, Januar 2010

Im Westen wie im Osten…

So der Westen wie der Osten geben Reines Dir zu kosten (Goethe, West-Östlicher Divan)
Jedoch ist es nie eine leichte Kost, die sich hinter kultureller Reinheit verbirgt. Zumal wenn es um Musik geht, und man sich immer wieder in Erinnerung rufen muß, dass der größte Teil der Musikhörer gleichsam als Analphabet seine Ohren weit öffnet und zu genießen scheint, jedoch letztendlich nur das hört, was er weiß. Oft ist das erstaunlich wenig. So im Westen wie im Osten.

Diejenigen Alten Meister des Alten China, die es sich leisten konnten, Meister der Musik, der Malerei und auch der Dichtung zu sein, waren überaus emsig, um das Phänomen Musik mit Wort und Bild zugänglicher zu gestalten, um zu verdeutlichen, was für ästhetische Werte sich hinter einem einfachen Ton, in einer ganz spezifischen Klangfarbe oder hinter einem ganz besonderen Anschlag verbergen konnten.

Die weit über einhundert umfangreichen Lehrwerke für die Guqin, das autochthone, älteste berühmteste und auch anspruchvollste Instrument Chinas, bieten ausreichende Beweise dafür.
„Aus ältester Zeit überkommene Klänge“ (Taigu Yiyin) hat die Autorin Dorothee Schaab-Hanke den Titel eines Qin-Handbuchs übersetzt, das sich poetisch-illustrativ um die Fingertechniken der Guqin dreht.
Eine brillante Urzelle chinesischer Musikästhetik bietet dem Leser ganz besondere Einblicke in die Auseinandersetzung mit chinesischer Musik, mit Musik-Ästhetik und Musik-Philosophie.

Es geht um Bilder, um fantasievolle Illustrationen; es geht um Gedichte, die diese Bilder kommentieren und verständlich machen sollen. Bild und Wort, die Fingerbewegungen der beiden Hände, die komplexen Anschlagstechniken zur Erzeugung eines Tones, einer Tongruppe, auf den sieben Saiten der Guqin.
Dabei handelt es sicht nicht unbedingt um ein Buch nur für den Spezialisten; jedoch wird vom Leser eine Offenheit für die symbolischen Bilderwelten des Alten China verlangt, Offenheit, die man eigentlich bei jedem wahren Kunst-Interessierten voraussetzen sollte.. Klein ist die Anzahl nur, so im Westen, wie im Osten.

Für diese „Einstimmung in das Spiel auf der Qin“, einem Handbuch des 15. Jahrhunderts, hat Dorothee Schaab-Hanke ein umfangreiches Vorwort verfasst, in dem auch deutlich anklingt, welch eine umfassende Ästhetik sich um dieses Instrument rankt, das vor einigen Jahren zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurde.
Leichte Kost über Kunst ist das nicht. Der Leser muss literarisch interessiert sein, und er darf „intellektuellem Vergnügen“ nicht abgeneigt sein. Den chinesischen Gelehrten müssen die meisten dieser Gedichte ganz selbstverständlich ein Lächeln hervorgerufen haben.

Verstecken sich doch dahinter Zitate aus den berühmtesten literarischen Werkes des Alten China. Allen voran, das Liederbuch, Shijing, weiter ist der daoistische Philosoph Zhuangzi vertreten, aber auch Ji Kang fehlt nicht, der wohl berühmteste Qin-Spieler des Alten China, der sich als einer der „Sieben Weisen vom Bambushain“ im 3. Jahrhundert n. Chr. sehr eingehend mit der Qin auseinandergesetzt hat. Eine feine Detektivarbeit, diese Zitate aus klassischen Schriften, fern vom ursprünglichen Textzusammenhang, wieder zu entdecken.

Die Übersetzungen der Gedichte haben die Autorin und der Hamburger Professor Hans Stumpfeldt mit sehr viel poetischem Einfühlungsvermögen verfasst. Sehr sensibel, sich dabei nie weit vom Original entfernend, werden dabei die Gedichte übertragen. in denen wiederum die beim Qin-Spiel einzunehmenden Haltungen, die überwiegend denen von Tieren nachempfunden sind, bildhaft beschrieben werde. um dann, abstrahiert, als Fingerbewegung zur Erzeugung eines Tones auf der Qin erläutert zu werden.

Von den insgesamt 33 Illustrationen gehen 28 auf Tiere zurück. Unter ihnen sind ganz unscheinbare wie der Schmetterling, die Libelle oder die Zikade; jedoch fehlt auch das Kraftvolle nicht, der Leopard, der Drache und der so symbolträchtige Kranich, der als ein tanzender das so überzeugende Bild liefert für den energievollen Anschlag von hohen Saiten mit dem Daumen der rechten Hand:

„Zornig heult es aus zehntausend Höhlen –
Auf der Brücke steht ein Kranich!
Aufrecht, einsam steht er da;
er will fliegen; er will schweben.

Jäh sein Ruf, er weckt die Menschen. –
Schneidend sei der Ton, und voller werdend!“

Dr. Manfred Dahmer