Ein vermeintlicher Herr Roman von Feng Li |
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Aus dem Chinesischen übersetzt von Ulrich Kautz |
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Reihe Phönixfeder 1 Wer nicht nur die Übersetzung des Romans lesen möchte, sondern auch Interesse an der 2001 beim Verlag Yunnan renmin chubanshe erschienenen Originalausgabe von Suowei xiansheng hat, kann beide Bände zusammen zum Preis von € 36,80 beziehen. Vertrieb: CHINA Buchservice / Bestellen |
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Der Roman erzählt, ironisch zugespitzt, die Geschichte eines Mannes in mittleren Jahren – unglücklich verheiratet,
zeugungsunfähig, mit spärlichem Haarwuchs –, der sich Mitte der neunziger Jahre des 20. Jh. als Leiter eines "Forschungsinstituts
für Kultur" in einer chinesischen Provinzstadt vornimmt, wenigstens einmal im Leben etwas zustande zu bringen, das seinen Prinzipien
und innersten Wünschen entspricht. Er verstrickt sich dabei jedoch in eine Farce, an deren Ende er – nein, nicht ganz mit leeren Händen
dasteht, sondern, immerhin! – die Frau seines Lebens gefunden hat, eine ebenso spröde und unkonventionelle wie intelligente und
liebesfähige Persönlichkeit. |
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Pressespiegel zum Roman und zu seiner Autorin: Die Erotik der Glatze – Feng Lis subtil-komischer Roman "Ein vermeintlicher Herr" [Abdruck der am 13.09.09 von SWR 2 gesendeten Rezension von Ludger Lütkehaus —————————————————————— Der Mut zum Unpolitischen "Feng Li nennt sich selbst eine unpolitische Autorin. In ihren Büchern stehen jedoch Sätze wie „Sex verändert unser ganzes China“ und Gedichte, die pessimistisch Weltflucht-Visionen besingen. Solche Themen waren in China lange tabu. Heute aber ist es für die Autorin, die in ihrer Heimat bereits sieben Bücher mit großem Erfolg publiziert hat, selbstverständlich geworden, Missstände des Alltags zu benennen. Im Vorfeld des Ehrengastauftritts war sie auf der Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse anwesend und erlebte die Diskussion um Meinungsfreiheit in China, die in Deutschland hohe Wellen schlägt. Feng Li ist jedoch enttäuscht über die mediale Rezeption, die sie als unangemessen einseitig erlebt. „Achtzig Prozent der Zeit wird über Menschenrechte gesprochen. Bücher beziehen sich neben der Politik aber auch auf Themen aus Literatur, Wissenschaft und Wirtschaft. Politik ist nur ein kleiner Teil und als Autorin bin ich traurig, weil Politik so viel wichtiger genommen wird als Kunst und Literatur“, erzählte sie Andrea Pollmeier, die mit Feng Li und ihrer Verlegerin in Frankfurt sprach." [Andrea Pollmeier, "Der Mut zum Unpolitischen", als Beitrag zur aktuellen Diskussion —————————————————————— "Kaderwelsch" – Feng Lis Roman "Ein vermeintlicher Herr" Man kann die Geschichte, die Feng Li in ihrem Roman "Ein vermeintlicher Herr" mit subtilem Witz erzählt, auch als Geschichte von zwei Frisuren wiedergeben, von Männerfrisuren. Da ist zunächst einmal Hu Dong, der vom stellvertretenden Kreisvorsteher für die Kultur- und Bildungsarbeit zum Leiter des pompösen "Integrierten Forschungsinstituts für Kultur und Kunst der Stadt xy" aufgestiegen ist. Er trägt eine von der Seite her über seine Glatze gekämmte Haarsträhne, wie es von ihrem Haarausfall tief betroffene Männer gerne tun. Mehr Schein als Sein also. Und die Frisur ist jederzeit verrutschungsgefährdet. Welch ein Blamagenpotential! Ihren Trägern eilt in China zwar der Ruf voraus, dass bei ihnen die sexuelle Libido besonders ausgeprägt sei. Aber Hu Dong, der vermeintliche Mann im mittleren Mannesalter, der lieber stoisch seine ihrerseits stoischen Aquariums-Fische beobachtet, als ins Leben einzugreifen, hat sich zumindest in seiner dem Ende nahenden Ehe allezeit impotent erwiesen. Auch hier mehr Schein als Sein also. Dabei weiß er: "Von einem alten Dichter stammt der Spruch, ein Zuwachs der Bevölkerung käme nur auf zweierlei Art zustande: Man stellt sich vor den Spiegel, oder man schläft miteinander. Beides habe ich schon lange nicht mehr getan." Beruflich indessen ist er als Kulturfunktionär in einer kontaktfördernden Position. Denn er ist für die Vergabe der Institutswohnungen zuständig. Und in dieser Eigenschaft, nicht etwa in seiner Kulturrolle, die so gut wie bedeutungslos ist, hat er mit den unterschiedlichsten Frauen Kontakt. Im Zuge seines außerehelich wiederaufkeimenden Liebeslebens lässt er sich die Haare schneiden, und zwar ausgerechnet so, wie Lenin sie trug. Zitat: "Der sogenannte Lenin-Schnitt ist nichts anderes als der wohlbekannte Schnitt des aufgehenden Mondes, und der wiederum bezeichnet eine Frisur, bei der die kahle Schädelmitte rundherum von einem Haarkranz wie von einem Schutzzaun umgeben ist. Kurzum, ich ließ jene lange Strähne abschneiden, so dass meine Glatze in voller Pracht erstrahlte. Was einst düster und matt war, war jetzt hell und klar." Und mit Frisur Nummer zwei klart sich auch sein Liebesleben auf. Die überlebte Ehe geht – endlich, aber nun in einer keineswegs lieblosen Form mehr – auseinander; hier mag auch etwas von der Scheidungsgeschichte der Autorin, die mit dem bekannten Avantgarde-Autor Ma Yuan verheiratet war, in den Roman eingegangen sein. Unter den wohnungssuchenden Frauen, von denen eine durch den nun nicht mehr impotenten Kulturinstitutsleiter geschwängert wird, findet Hu Dong schließlich die einzig Richtige, anfangs äußerst Spröde. Beide pflegen am Ende gemeinsam ihren ländlichen Liebesgarten. Und wenn sie nicht geschieden sind, so lieben sie sich noch heute. Eine Liebesgeschichte mit Happy End also. Feng Li, die sich in die Haarpsychologie des "vermeintlichen Herrn" genauso wie in ihre Geschlechtsgenossinnen einfühlt, ohne dass man dabei irgend etwas an den Haaren herbeigezogen empfinden müsste, erzählt sie mit feiner Ironie. Etliche Szenen lassen auch etwas von der an Astrid Lindgrens "Pippi Langstrumpf" orientierten Komik der Kinderbuchautorin Feng Li spüren. Das für das überbevölkerte China zentrale Thema der Wohnungsvergabe gibt den nur halb ernsthaften, eher mit leichter Hand traktierten Hintergrund ab. Was der Roman sein will – Liebesroman, Geschlechtergroteske, Satire auf das von den Funktionären beherrschte so genannte "kulturelle Leben" mit seinem Kauder- als "Kaderwelsch" – ist nicht immer eindeutig. Aber das braucht das kurzweilige Buch auch nicht. Die als Geschichte zwischen Lektor und Autor in den Roman einfließenden poetologischen Reflexionen sind stets selbstironisch gebrochen. Vielleicht vermisst man vor lauter hübschen Vignetten, Medaillons des gegenwärtigen chinesischen Lebens den Spannungsbogen. Dieses Defizit, wenn es eines ist, wird aber kompensiert durch die Fähigkeit der Autorin, individuelle, konturenscharfe Charaktere zumal bei den Frauen zu schaffen. Der "vermeintliche Herr" zeichnet sich eher durch Skurrilität aus, bleibt aber liebenswert. Feng Lis Leben als Literaturwissenschaftlerin, Journalistin und Mitarbeiterin an einem Forschungsinstitut für Kunst- und Theatertheorie hat sie von ihrer chinesischen Heimat über Tibet auch für einen einjährigen Aufenthalt als Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Deutschland geführt. Bei der kommenden Buchmesse wird man die gut Deutsch sprechende Autorin als Vertreterin des Gastlandes China in Frankfurt hören können. Je mehr man sich in die chinesische Gegenwartliteratur einliest, desto mehr ist ein Eindruck unabweisbar: In wenigen Literaturen der Welt wohl geht es so witzig wie in ihr zu. Ludger Lütkehaus —————————————————————— "Feng Li ist eine wunderbar spöttische Satirikerin, die ihre Figuren dennoch nicht dem Gespött preisgibt. Ein alternder Bürokrat, im Amt vollkommen überflüssig, in der Ehe unglücklich, wird von der Zugluft des Lebens gestreift und tut das Unerwartete: Er wagt den Ausbruch aus den Konventionen und den Aufbruch in eine Welt, in der vielleicht auch ihm so etwas wie Glück beschieden sein könnte. Hochkomisch, tieftraurig, eine chinesische Satire von universeller Dimension." Karl-Markus Gauß —————————————————————— "Ironisch zugespitzt sind manche Szenen dieses aus vielen kleinen Szenen zusammengesetzten Romans, manchmal sarkastisch. Und diese Szenenvielfalt trägt auch zu der Lebendigkeit des ganzen Romans bei." Hans Stumpfeldt —————————————————————— |
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